Saugroboter und Datenschutz: Kamera, Karte, Cloud
Beim Thema Saugroboter und Datenschutz geht es um vier Dinge: die Karte Ihrer Wohnung, Bilder aus einer eingebauten Kamera, Tonaufnahmen über ein Mikrofon und die Frage, was davon in der Cloud (auf Servern des Herstellers) landet. Sie können viel davon selbst einschränken, ohne dass der Roboter schlechter saugt. Unten finden Sie die Schritte in einer sinnvollen Reihenfolge, vom einfachen Schalter in der App bis zum Löschantrag nach der DSGVO.
Welche Daten ein Saugroboter sammelt
Die Karte
Fast jeder moderne Roboter zeichnet einen Grundriss Ihrer Wohnung. Viele nutzen dafür einen Laser auf dem Gerät, wie das funktioniert, erklärt unser Lexikon unter LiDAR.
Eine Untersuchung des Prüflabors AV-Test, über die t-online 2019 berichtete, zeigte: Die Karten bilden Räume, Türen und Fenster ab und werden bei jeder Fahrt aktualisiert, sodass auch Veränderungen in der Wohnung sichtbar werden. Die Untersuchung ist älter, das Grundprinzip gilt aber weiter.
Kamera und Mikrofon
Viele Geräte haben heute Kameras, um Socken, Kabel oder Tierkot zu erkennen. Manche bieten mehr: In der Anleitung eines Ecovacs-Modells steht, dass man mit den KI-Kameras Bilder der Umgebung aufnehmen und eine Videoaufzeichnung starten kann; über das Mikrofon sind bei einigen Modellen Videoanrufe aus der Ferne möglich.
Wie heikel solche Bilder sind, zeigte 2022 eine Recherche von MIT Technology Review: Fotos aus Entwicklungsgeräten von iRobot, darunter das Bild einer Frau auf der Toilette, landeten bei Hilfskräften, die Bilder für das Training künstlicher Intelligenz beschriften sollten, und wurden in geschlossenen Online-Gruppen geteilt. Es handelte sich um Testgeräte, deren Nutzer der Aufnahme zugestimmt hatten, nicht um Geräte aus dem Handel. Der Fall zeigt trotzdem, wie weit Bilder aus der Wohnung wandern können, sobald sie einmal den Roboter verlassen.
Cloud und Speicherdauer
Wo die Daten liegen und wie lange, unterscheidet sich stark. Test&Tipps hat 2026 die Datenangaben mehrerer Hersteller verglichen: Die Spanne reicht von sieben Tagen für Rohdaten bei einem Hersteller bis zu 90 bis 550 Tagen bei einem anderen; manche Hersteller nennen weder Ort noch Dauer.
Seit dem 12. September 2025 gilt in der EU der Data Act (Datengesetz). Er gibt Ihnen das Recht, auf die Daten zuzugreifen, die Ihr vernetztes Gerät erzeugt. Viele Hersteller veröffentlichen deshalb eigene Datenerklärungen, die es sich zu lesen lohnt.
Schritt für Schritt: So schränken Sie die Daten ein
Die Namen der Schalter unterscheiden sich je nach App. Suchen Sie in den Geräteeinstellungen nach Begriffen wie „Datenschutz“, „Kamera“, „Fotos“, „Produktverbesserung“ oder „Karte“.
1. Kamera- und KI-Funktionen prüfen
- Fernansicht, Video und Fotoaufnahme ausschalten, wenn Sie sie nicht nutzen.
- Die Teilnahme an Programmen zur „Produktverbesserung“ ablehnen. Bei Ecovacs werden Hindernisbilder laut Test&Tipps nur nach Zustimmung zu einem solchen Programm gesammelt.
- Die Hinderniserkennung selbst kann oft an bleiben. Bei einem Mova-Modell läuft sie laut Test&Tipps direkt auf dem Roboter; ein Video entsteht dort nur, wenn man die Überwachungsfunktion einschaltet.
2. Kartensicherung in der Cloud abschalten
Manche Apps sichern Karten in der Cloud, damit Sie sie nach einem Zurücksetzen wiederherstellen können. Brauchen Sie das nicht, schalten Sie es aus und löschen Sie alte Karten, die Sie nicht mehr nutzen, etwa von einer früheren Wohnung.
3. Sprachsteuerung und Mikrofon
Hat Ihr Roboter einen eingebauten Sprachassistenten, schalten Sie ihn ab, wenn Sie ihn nicht nutzen. Ist der Roboter mit einem Sprachassistenten eines anderen Anbieters verknüpft, etwa über einen smarten Lautsprecher, gelten zusätzlich dessen Regeln. Entfernen Sie die Verknüpfung, wenn Sie sie nicht brauchen.
4. Updates einschalten
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät, bei Smarthome-Geräten nach Möglichkeit automatische Updates zu aktivieren; ein Gerät ohne Sicherheitsupdates sollte man austauschen. Wie lange Updates kommen, ist unterschiedlich. Ecovacs schreibt in einer Anleitung, dass Geräte, die vor mehr als drei Jahren auf den Markt kamen, nur noch bei kritischen Schwachstellen aktualisiert werden.
5. Eigenes WLAN für smarte Geräte
Das BSI empfiehlt, smarte Geräte in einem eigenen Netz zu betreiben. Bietet Ihr Router nur ein Gäste-WLAN, nutzen Sie dieses ausschließlich für solche Geräte.
Wie Sie ein Gäste-WLAN einrichten, erklärt das BSI in einer eigenen Anleitung. Der Vorteil: Sollte der Roboter angreifbar sein, kommt ein Angreifer nicht so leicht an Ihren Laptop oder Ihr Handy.
Das BSI rät außerdem, für das Konto in der App ein eigenes, sicheres Passwort zu wählen und, wenn angeboten, die Zwei-Faktor-Anmeldung zu nutzen (ein zweiter Code, zum Beispiel per App aufs Handy).
6. Lokale Steuerung als Möglichkeit
Wer technisch Freude daran hat, kann den Roboter teilweise ohne Hersteller-Cloud steuern. Drei Wege, mit ehrlichen Grenzen:
- Matter: Seit Version 1.2 (Oktober 2023) kennt der Smarthome-Standard Matter auch Saugroboter als Geräteart. Matter-Geräte lassen sich laut der Smarthome-Software Home Assistant lokal steuern, ohne Internet oder Cloud. Ob Ihr Modell Matter kann, steht in den Herstellerangaben.
- Home Assistant mit Hersteller-Anbindung: Für viele Marken gibt es Erweiterungen. Die Roborock-Anbindung etwa bevorzugt die lokale Verbindung, braucht laut Dokumentation aber trotzdem Zugang zur Cloud; Karten kommen immer über die Cloud. Lokal heißt hier also nicht automatisch cloudfrei.
- Ersatz-Software: Projekte wie Valetudo ersetzen die Hersteller-Anbindung durch eine Steuerung, die nur in Ihrem Heimnetz läuft. Das ist ein tiefer Eingriff in die Gerätesoftware und nur etwas für Bastler. Prüfen Sie vorher, welche Folgen das für Ihre Garantie hat.
Daten löschen lassen
Nach Artikel 17 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben Sie ein Recht auf Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Der Anbieter muss sie unverzüglich löschen, wenn etwa die Daten für ihren Zweck nicht mehr nötig sind oder Sie Ihre Einwilligung widerrufen und es keine andere Rechtsgrundlage gibt. Vorher können Sie nach Artikel 15 eine Auskunft und eine Kopie der gespeicherten Daten verlangen.
So gehen Sie vor:
- In der App löschen: Karten, Fotos und Reinigungsverläufe löschen, die Sie nicht mehr brauchen.
- Konto löschen: Wenn Sie das Gerät nicht mehr nutzen, das Herstellerkonto löschen. Laut Test&Tipps entfernt das bei mehreren Herstellern auch die verknüpften Cloud-Daten.
- Schriftlich verlangen: Reicht das nicht, schreiben Sie an die Datenschutz-Adresse aus der Datenschutzerklärung. Nennen Sie Ihr Konto (E-Mail-Adresse) und das Gerät, berufen Sie sich auf Art. 17 DSGVO und bitten Sie um Bestätigung. Manche Hersteller verweisen für Löschanträge laut Test&Tipps ohnehin auf eine E-Mail-Adresse.
- Nachfragen: Test&Tipps weist darauf hin, dass Sicherungskopien bei manchen Anbietern noch eine Zeit lang bestehen können. Fragen Sie nach, bis wann sie gelöscht werden.
Gerät weitergeben oder verkaufen
Bevor der Roboter das Haus verlässt, gehen Sie diese Liste durch:
- Karten und Verläufe in der App löschen.
- Das Gerät in der App aus Ihrem Konto entfernen, damit es nicht mehr mit Ihren Daten verbunden ist.
- Den Roboter auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Laut Test&Tipps löscht das bei mehreren Herstellern die lokal gespeicherten Daten wie Karten und WLAN-Einstellungen.
- Verknüpfungen mit Sprachassistenten und Smarthome-Systemen entfernen.
- Das WLAN-Passwort ändern, wenn Sie unsicher sind, ob das Gerät es noch kennt.
Ein Hinweis zur Vorsicht: Das BSI warnt allgemein, dass nach einem bloßen Zurücksetzen auf Werkseinstellungen unter Umständen sensible Daten wiederhergestellt werden können. Beim Saugroboter können Sie den Speicher selbst kaum überschreiben. Deshalb sind die Schritte 1 und 2 so wichtig: Was in der App und im Konto gelöscht ist, liegt nicht mehr beim Hersteller.
Für die Entsorgung gilt dasselbe: erst Konto und Daten aufräumen, dann zum Wertstoffhof.
Unser Fazit
Ein Saugroboter muss nicht mehr über Sie wissen, als er zum Saugen braucht. Mit einer halben Stunde in der App schalten Sie Kamera-Extras, Cloud-Sicherung und Mikrofon ab, mit einem eigenen WLAN trennen Sie ihn vom Rest Ihres Netzes. Und wenn Sie das Gerät abgeben, nehmen Sie Ihre Daten mit.
Wie wir zu solchen Empfehlungen kommen, steht unter Redaktion und Transparenz. Wer gerade erst einzieht oder umräumt, findet praktische Tipps im Ratgeber Wohnung vorbereiten.
Häufige Fragen
Funktioniert mein Saugroboter noch, wenn ich die Cloud-Funktionen abschalte?
Das Saugen selbst meist ja. Was wegfallen kann, sind Fernsteuerung von unterwegs, Kartensicherung und manche Komfortfunktionen. Probieren Sie es Schritt für Schritt aus und schalten Sie nur zurück, was Ihnen wirklich fehlt.
Muss der Hersteller meine Daten löschen, wenn ich das verlange?
In vielen Fällen ja, etwa wenn Sie Ihre Einwilligung widerrufen oder die Daten für den Zweck nicht mehr gebraucht werden. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel gesetzliche Aufbewahrungspflichten.
Reicht ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen vor dem Verkauf?
Es ist ein wichtiger Schritt, aber nicht der einzige. Entfernen Sie das Gerät zusätzlich aus Ihrem Konto in der App und löschen Sie dort gespeicherte Karten.